Erfolg mit bunten Stoffen und uralten Mustern
Ursula Schwerin wurde über Nacht Firmenchefin
Seit 14 Generationen gibt es die Einbecker Blaudruckerei. Dann wollte keiner aus der Familie das Traditionsunternehmen übernehmen. Das „Aus" drohte.
„Zuerst wird die Form in einen Druckpapp, eine klebrige Masse, gedrückt. Dann senke ich sie langsam auf das Tuch, klopfe ordentlich mit meiner ganzen Kraft auf die Form. Damit das Muster nicht verschmiert, hebe ich sie senkrecht wieder hoch. Es sind 27 Arbeitsgänge nötig, bis aus einem einfachen Leinentuch eine schöne, farbige Decke wird." Wenn Gäste heute die Manufaktur besuchen, kann Ursula Schwerin jeden Arbeitsschritt genau erklären. Vor fünf Jahren war das noch nicht so. Da kannte sie nur das Schaufenster der Blaudruckerei.
Ursula Schwerin hat Landwirtschaftlich-Technische Assistentin gelernt. Bis ihre Zwillinge Lea und Hester '97 geboren werden, arbeitet sie in der Zuckerrübenzüchtung. Wahrscheinlich wäre sie wieder in diesen Betrieb zurück gegangen. Doch eines Abends, es ist der erste Weihnachtstag 2004, sitzt ihr guter Freund Ulf Ahrens im Wohnzimmer der Schwerins. Traurig erzählt er: „Im Sommer soll unsere Blaudruckerei geschlossen werden." Seit 20 Jahren bedruckt er dort Stoffe. „Will denn keiner aus der Familie die Druckerei übernehmen?" Ulf schüttelt den Kopf. „Die sind alle ihre eigenen Wege gegangen." Ursula Schwerin kann es kaum glauben: Seit über 300 Jahren gibt es die Blaudruckerei, sie gehört genauso zu Einbeck wie die Brauerei.
Lange sitzen die beiden Familien an diesem Abend zusammen. Reden, diskutieren. Spontan sagt Ursula plötzlich: „Ich übernehme die Firma!" Eigentlich sollte es ein Witz sein. Doch ihr Mann sagt sofort: „Warum nicht! Du kannst das!" Jetzt wird der Abend lebendig. „Wir diskutierten die Pros und die Kontras. Ich kenne mich mit Buchhaltung aus, habe auch schon Kunden betreut. Mein Mann arbeitet in einer Werbeagentur, könnte uns beim Marketing behilflich sein. Ulf würde natürlich den handwerklichen Part übernehmen." Als sie sich kurz nach Mitternacht verabschieden, schütteln Ursula und Ulf ihre Hände: „Abgemacht!"
Und dann geht alles ganz schnell. Anfang Januar 2005 besorgen sich Ursula und Ulf genauere Informationen, Ende Januar sprechen sie mit der Chefin und schon im Mai 2005 sind sie die neuen Chefs. Voller Elan starten sie. Renovieren, gestalten die Räume neu, dekorieren moderner. Viele Einbecker besuchen die Druckerei: „Toll, dass ihr die Werkstatt weiter führt." Das Geschäft läuft gut. Doch dann kommt im Frühjahr 2006 der Einbruch. Tagelang kommt kaum ein Kunde. Zweifel werden wach: „Haben wir uns geirrt? Wollen die Leute doch keinen Blaudruck mehr?" Das Geld wird knapp und Ursula traut sich nicht, neue Stoffe zu kaufen. „Ich erlebte zum ersten Mal so einen Einbruch. Bis dahin war ich ja Angestellte, bekam regelmäßig mein Geld."
Das Tief geht vorbei. Als im April die ersten Sonnenstrahlen wärmen, kommen die Kunden auch wieder. Heute sind Ursula und Ulf besser auf diese Zeit eingestellt: „Wir bieten günstigere Konditionen für Auftragsarbeiten an, haben letztes Jahr eine neue Farbe kreiert: Lindgrün, die Farbe des Frühlings. Die Decken und Kissen wurden unser Verkaufshit."
Die Blaudruckerei ist Ursula ans Herz gewachsen. „Es macht Spaß, eine so alte Tradition mit neuen Ideen aufzufrischen."
Einkaufen bei der Einbecker Blaudruckerei auf KLICK-Germany
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