Glitzernder Erfolg

Die Chefin von Anton Hübner Schmuckdesign

In der Schmuckstadt Kaufbeuren grassiert die Insolvenz, als Heidi Hübner sich in einen Schmuckfabrikanten verliebt. Auch er will seine Firma schließen. Doch Heidi lässt das nicht zu.



Das Firmengebäude von Anton Hübner Schmuckdesign ist ein Einfamilienhaus in einer kleinen Nebenstraße: unscheinbar, schlicht, nicht sehr groß. Niemand ahnt, dass hier eine der erfolgreichsten Schmuckunternehmen der Stadt Kaufbeuren sitzt. Doch wer durch die Haustür tritt, taucht in eine wunderbare Glitzerwelt ein. In den Zimmern arbeiten 16 Frauen. Chef des Unternehmens ist heute eine Frau: Heidi Hübner. Die erste Frau an der Spitze des Traditionsunternehmens.

Die Geschichte beginnt nach dem zweiten Weltkrieg. Unter den 18 000 heimatvertriebenen Sudetendeutschen, die aus der Glasschmuckstadt Gablonz ins Allgäu ziehen, ist auch Anton Hübner. Seiner 15-jährigen Erfahrung vertrauend, wagt er in Kaufbeuren einen Neuanfang als Schmuckgestalter. Mit Erfolg! Anfang der 90er Jahre jedoch wird der Markt von asiatischen Billig-Produkten überschwemmt. Viele Firmen müssen schließen. Auch Anton Hübners Sohn Peter denkt darüber nach. Doch dann lernt er 1993 die Betriebswirtin Heidi kennen. Sie setzte sich in die Werkstatt, probierte. "Ich klebte Strasssteinchen in Anhänger, entwarf Armbänder."

Anfangs verkaufen die Hübners den Schmuck wie bisher über Händler und Exporteure. Doch mit wenig Erfolg. „Die Händler trauten diesen modernen Glassteinen nicht." Deshalb meldet sich Heidi Hübner selbst im Juli '96 für die Münchener Messe an. "Ich stand mit meinen Glitzerbroschen, -ketten und Ringen da. Aber niemand wollte sie haben. Ein totaler Reinfall!" Aufgeben? Das würde nicht zu Heidi Hübner passen. Sie ist eine Kämpferin und sie traut ihrem Gefühl. „Wenn es gar nicht weiter geht, reizt es mich besonders, weiter zu machen." Mutig nimmt sie einen Kredit auf, bezahlt davon sechs Wochen später, im August '96, den Stand auf der "tendence", der wichtigsten internationalen Konsumgütermesse in Frankfurt/Main. "Es war unglaublich: Dort schrieb ich von morgens bis abends Aufträge!" Eine Kehrtwende. Doch der internationale Konkurrenz-Druck ist hart.

„Wir müssen immer wieder mit neuen Ideen unsere Kunden überraschen. Und mit besonders hoher Qualität. Unser Schmuck ist garantiert frei von Nickel, wir verwenden nicht einmal Silber, weil auch darauf viele Menschen allergisch reagieren. Und wir können schnell und flexibel auf individuelle Wünsche reagieren. Das Armband soll nicht mit blauen, sondern roten Steinchen besetzt sein? Kein Problem! Die Kette soll länger oder kürzer sein. Machen wir!"

Sobald die Mode die neuen Stofftrends der Saison auf den Markt bringt, setzt Heidi Hübner sich in ihre Arbeitsstube, kombiniert  Steine und Formen. Das Archiv der Werkstatt ist groß, mehr als 350 Stanzformen lagern hier. Die Stanze stammt noch aus den 50er Jahren. In zehn Jahren entstanden 2745 Muster für Schmuck. Darunter so lustige Schmuckformen wie der Nikolausfrosch mit Tannenbaum. Jeder Arbeitsschritt ist Handarbeit pur. Bis ein Schmuckstück fertig ist, wird es von sechs verschiedenen Händen bearbeitet. Mitunter eintönige, sich wiederholende Arbeit. „Dafür sind wir eine lustige Truppe, wie eine große Familie. Wir essen zusammen Mittag, lachen viel. Und trösten auch mal bei Problemen."

Diese Familie war es auch, die Heidi in einer schweren Zeit half. Ende 2008 starb ihr Mann. Plötzlich steht sie mit der Firma alleine da. „Es gab Momente, da erschien mir alles so sinnlos. Ich wollte aufgeben und hatte Angst es nicht alleine zu schaffen." Heidi zieht sich zurück. In dieser Zeit spürt sie, wie zuverlässig ihre Mitarbeiterinnen sind. „Sie haben einfach weiter gemacht." Heidis Lebenslust ist zurückgekehrt. Die Weihnachtskollektion ist auf dem Markt. Während die Kunden Tannenbaum und Weihnachtsstern kaufen, sitzt Heidi schon wieder in ihrem Arbeitsstübchen und entwirft Osterhasen und Fröhliches für den nächsten Sommer.

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