„Mit meiner Erfindung muss niemand mehr frieren"

Brigitta Eihausen ist die Erfinderin des Bettschals

Lesen im Bett? Im Winter kann das unangenehm kalt sein. Das brachte die Sozialpädagogin Brigitta Eihausen auf die Idee, einen Bettschal zu nähen. Der Beginn ihres kleinen Unternehmens.



"Ich lese abends gern noch ein bisschen im Bett!" Die Kielerin Brigitta Eihausen sitzt im Januar 2001 mit Freundin Doris zusammen. Sie trinken Tee, plaudern. "Doch jetzt im Winter ist es manchmal ganz schön kalt an den Armen. Besonders, wenn ich das Fenster öffne." Noch während die Freundin erzählt, erinnert sich Brigitta an ihre Großtante. Sie trug ein rosa Bettjäckchen im Bett. "Schrecklich anzusehen, aber sehr praktisch." Schon damals näht Brigitta gern in ihrer Freizeit. Kurzerhand nimmt sie ein Stück Fleece, legt ihn doppelt, näht Ärmel ab und schlüpft hinein. "So bleiben Schultern, Nacken und Arme warm. Der Prototyp eines „Bettschals". Die Freundin ist begeistert. „Wenig später hatte ich 20 Bettschals verkauft." Trotzdem dauert es noch sechs Jahre, bis Brigitta es wagt, sich mit ihrem „Atelier Mondsichel" selbständig zu machen.

Brigitta Eihausen, Foto: Andreas Krone/KlickGermany„Mir fehlte der Mut zur Selbständigkeit"

Brigitta Eihausen hat Sozialpädagogik und Kunsttherapie studiert. Nach dem Studium arbeitet sie zuerst in einem Wohnhaus für psychisch erkrankte Erwachsene, später be-treut sie autistische Kinder. 2002 wird sie arbeitslos. Jetzt hat Brigitta Zeit für ihr Hobby. „Ich entwickelte weitere Accessoires, nähte kuschelige Wärmflaschen-Hüllen, Puls-wärmer, Halstücher. Drei oder vier Mal im Jahr verkaufte ich sie auf Kunsthandwerker-märkten." Sie liebäugelt mit dem Gedanken, sich mit ihren selbst entworfenen Acces-soires selbständig zu machen. „Aber mir fehlte der Mut. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich von meinen Produkten leben kann." Trotzdem fragt sie in der Arbeitsagentur nach, ob sie Unterstützung bekäme. Die Antwort ist ernüchternd. Da Brigitta schon ALG II bekommt (das sogenannte „Hartz IV") gibt es nichts. Und so macht Brigitta weiter wie bisher. „Doch ich wurde immer unzufriedener mit meiner Situation."

Foto: Andreas Krone/KlickGermanyDer schönste Moment: Weg von der Arge

Im Sommer 2006 fasst Brigitta einen Entschluss: „Ich springe jetzt ins kalte Wasser. Schlimmer kann es nicht mehr werden." Voller Elan packt sie ihre neue Aufgabe an. Sie mietet zusätzlich eine Ein-Zimmer-Wohnung, richtet sie als Atelier ein. Zur Eröffnung am 4. November 2006 kommen mehr als 50 Leute. Das macht Mut. Von nun an öffnet Brigitta ihr Atelier dienstags bis donnerstags, geht an den Wochenenden auf  Kunst-handwerkermärkte und gestaltet eine Internet-Seite. Im Oktober 2007 meldet sie sich schließlich von der Arbeitsagentur ab. „Das war der schönste Moment."

Fotos: Andreas Krone/KlickGermany

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich habe es geschafft"

Obwohl alles so gut beginnt, wird das erste Halbjahr 2008 eine schwierige Zeit. „In der ersten Jahreshälfte gibt es kaum Kunsthandwerkermärkte und ich verkaufte viel zu wenig. Es reichte gerade für die nötigsten Ausgaben. Und meine Sicherheiten waren ja alle weg." Brigitta zweifelt an der Tragfähigkeit ihrer neuen Selbständigkeit. Doch sie gibt nicht auf. Sie borgt sich Geld von Freundinnen und tauscht auf Märkten ihre Produkte gegen andere nützliche Sachen. „Ich hoffte auf das Weihnachtsgeschäft." Und tatsächlich. Als Brigitta im Oktober auf dem ersten Herbstmarkt steht, finden ihre Bett-schals und Pulswärmer reißenden Absatz. „Heute weiß ich, dass meine Hauptgeschäfts-zeit im Herbst und Winter ist." Reich ist Brigitta noch nicht geworden. „Aber ich kann jetzt von meiner Arbeit leben und bin meine eigene Chefin. Darauf bin ich stolz!"

 

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