Altes Handwerk im 21. Jahrhundert
Meistermalerin wird Unternehmerin: Katja Wiedemann
Eine Woche üben die Lehrlinge der Meissener Porzellanmanufaktur, bis sie einen einfachen Strich perfekt malen können: gerade, schwarz, hauchdünn. Acht Jahre vergehen, bis sie echte Meissener Meister sind. Katja Wiedemann aus Berlin gehörte zu den Meistermalern. Heute erfreut sie mit ihrer Kunst auf andere Weise.
Katja Wiedemann sitzt an ihrem Schreibtisch. Vor ihr liegen
ein weißes Blatt Papier, ein Bleistift und eine feinblättrige, leuchtend
rosa-lavendelfarbene Pfingstrose. Sie schaut, dreht die Blume, holt sie ganz
nah heran, hält sie dann wieder weiter weg. „Die Dinge zu betrachten, die
Wuchsachse der Blume zu erkennen, das Zentrum der Pflanze zu finden, das
braucht Zeit. Diese intensive Beobachtung der Natur habe ich in Meissen
gelernt." Katja nimmt den Bleistift, zeichnet die Umrisse der Blume. Dann malt
sie mit einem hauchdünnen Pinsel und Acrylfarben. Sie beginnt mit einer hellen
Lasur, deutet Licht und Schatten an. Schicht für Schicht bekommt die Blüte nun
ihre Farbnuancen. Jedes einzelne Detail arbeitet Katja Wiedemann liebevoll
heraus, bis die Blüte dreidimensional zu strahlen scheint.
„Ich werde Malerin"
Mit acht Jahren stand für Katja Wiedemann fest: „Ich werde Malerin." Deshalb
will sie Kunst in Leipzig studieren. Doch die Uni lehnt sie ab. Ihr Lebenslauf
passt nicht, sie ist kein Arbeiterkind. In der Meissener Porzellanmanufaktur interessiert
sich dafür niemand. „Unter hunderten Bewerbern bekam ich eine Zusage." Katja
Wiedemann besucht die berühmte Zeichenschule, malt danach zehn Jahre lang
Drachen, chinesische Schmetterlinge, reiche chinesische Schlossvasen und
asiatische Blumenmotive. Dann wird ihr die Arbeit zu eintönig. Sie kündigt im
Januar 1989, zieht nach Berlin, wird Künstlerin.
Zurück zu den Wurzeln der Kunst
„Ich habe große Ausstellungen
in Berlin, Paris und Amerika mit meinen Gemälden gestaltet, habe mich freigeschwommen."
Doch immer wieder kommt sie zu den Wurzeln ihrer Kunst zurück. „Ich wollte mein
altes Handwerk nutzen, es ins 21. Jahrhundert holen." Doch wie? Katja
experimentiert mit dem Computer, scannt ihre handgemalten Motive, kombiniert
sie mit neuen Hintergründen. Druckt sie erst auf Papier, dann auf Stoff. 2008
eröffnet sie ihren Laden „BerlinDecor". Heute hat sie die größte Datenbank
handgemalter Naturmotive, die sie immer wieder für neue Bordüren auf Tischläufern,
Lampenschirmen oder Fliesen verwenden kann. „So bleibt meine Kunst erhalten,
wird für viele Menschen bezahlbar."
Handgemalter Perfektionismus
Katja Wiedemann sitzt an ihrem Schreibtisch. Vor ihr ein Becher mit Pinseln, ein
Blatt Papier, eine Blüte. An den Wänden hängen Tischläufer, Tapetenbordüren,
Stoffe in kräftigen Farben mit fröhlichen Wiesen, spritzigen Zitronen,
mediterranen Olivenzweigen gestaltet. Jede Blüte, jede Frucht, jeder Vogel
scheint direkt aus der Natur auf das Tuch gelangt zu sein. Handgemalter
Perfektionismus made in Germany, der Freude macht. Hochwertiger Raumschmuck, der
schon viele Kunden erfreut. Denn Leute, die durch den Prenzlauer Berg,
schlendern, werden von den bunten Naturmalereien auf Stoff angezogen. Und
kaufen.
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