Unternehmenserfolg mit Stoffwindeln
Christine Bendel beschäftigt 25 Frauen und reduziert Windel-Müll-Berge
Als vor zwölf Jahren Sohn Jan geboren wird, kauft Christine Bendel umweltfreundliche Stoffwindeln. Doch sie ärgert sich: Die Windeln sind nicht durchdacht. Sie entwickelt eine neue mitwachsende Windel und hat aus ihrer Idee ein Unternehmen gemacht.

„Jan hat schon wieder ganz rote Beinchen!" Christine Bendel ärgert sich. Die Stoffwindeln, die sie benutzt, taugen einfach nichts. Die Druckknöpfe sind an der falschen Stelle angebracht, die Gummis an den Beinchen sind zu eng und der Saugkern zu schwach. Wie oft hat Jan richtig durchnässte Kleidung. Dabei hatte sich Christine bei der Geburt ihres Sohnes im November 1997 ganz bewusst für Stoffwindeln entschieden.
Schockiert von Windel-Müllbergen
Christine ist Französin, in der Nähe von Lyon aufgewachsen. Als sie Mitte der 80er Jahre nach Deutschland kam, war sie vor allem von der Müllentsorgung der Deutschen beeindruckt. „Flaschen, Papier, Plastik, alles wurde fein säuberlich getrennt. Damals begann ich, mich mit dem Thema Umwelt zu beschäftigen." Als Christines Sohn unterwegs ist, liest sie, dass jedes Jahr 400 000 Tonnen Wegwerfwindeln entsorgt werden müssen, 27 000 prall gefüllte Müllfahrzeuge. Das Schlimmste jedoch: Das Material verrottet nicht einmal in 500 Jahren. „Das schockierte mich. Da wollte ich nicht mitmachen. Deshalb kaufte ich Stoffwindeln. Aber sie taugten nichts."

Firmenstart mit Stoffwindeln
Also schreibt Christine alle Mängel auf, entwirft eine bessere Windel, die sogar mitwächst. Wenig später, Anfang 2000, bittet sie eine Näherin, ihre Ideen umzusetzen. Die ersten Worte der heute 60-jährigen Johanna Rothes vergisst Christine Bendel wohl nie: „Stoffwindeln, wer braucht denn solche Dinger? Ich musste meine beiden Kinder mit viereckigen Moltontüchern wickeln. War das oft eine Schweinerei." Doch als Christine ihr ihre Idee für moderne Stoffwindeln zeigt, ist Johanna sofort begeistert. Die gelernte Näherin, die schon seit zweieinhalb Jahren arbeitslos war, wird Christines erste feste Mitarbeiterin. Schnell hat sie die ersten 100 Windeln genäht. Mit diesen zieht Christine los, stellt sie bei Hebammen vor, präsentiert sie auf Messen, schreibt Babygeschäfte an. Im Januar 2000 gründet sie die Firma „Windel Christine Bendel".
"Ich gebe arbeitslosen Frauen eine neue Chance"
Immer mehr Mütter kaufen die mitwachsenden Windeln. Schon bald muss Christine weitere Näherinnen einstellen. Die Frauen, die sich bewerben, sind oft schon lange arbeitslos. Christine Wendebaum (42) hatte sich schon 13 Jahre um einen Job bemüht. Jana Aburgaiba (37) bekam als Mutter von drei Kindern nur Absagen. Und auch Karin Hanickel (49) suchte schon seit Jahren einen Job als Näherin. Christine erinnert sich: „Als ich sie einstellte, sagte sie glücklich: Endlich habe ich wieder etwas Sinnvolles zu tun."

"Ein tolles Team - das sichert unseren Erfolg"
Im Laufe der letzten zehn Jahre sind die Windelnäherinnen zu einem tollen Team zusammen gewachsen. Die Frauen können ihre Stunden selbst einteilen. So können sie sich um ihre Kinder kümmern und trotzdem arbeiten. Dafür sind sofort alle da, wenn ein großer Auftrag erledigt werden muss. Heute produziert Christine Bendel jährlich mehrere tausend Windeln, Überhosen und Wickelzubehör. „Um das zu schaffen, beschäftige ich neben meinem festen Team 20 weitere Frauen in einer Näherei. Und so leiste ich nicht nur meinen kleinen Beitrag, um den Müllberg zu reduzieren, sondern gebe auch Frauen eine neue Chance, zu arbeiten. Als ich meine erste Windel in der Hand hielt, hätte ich nie gedacht, dass ich in diesem Moment zur Unternehmerin geworden war. Heute bin ich stolz auf meinen Erfolg."
Autorin: Jana Schütze
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