Zeigt her eure Füße

Wilma Enser produziert Bikinis für die Zehen

Wilma Enser war mal Vertriebschefin eines Industriebetriebes. Ein Job, den sie bis zum Lebensende gemacht hätte. Es kam anders. Heute produziert sie erotischen Fußschmuck, der seine Wurzeln in Hawaii hat.



TOEKINI, Foto: Andreas Krone / KlickGermanyDrei Ereignisse haben das Leben von Wilma Enser entscheidend geprägt: Die Scheidung, die Entlassung und ein Wiedersehen. "Nach der Scheidung entdeckte ich, wie viel Kraft in mir steckt. Ich verließ mich nicht mehr auf die Sicherheit durch einen Mann, sondern sorgte von nun an alleine für mich und meine Tochter. Unglaublich, wie stark diese Verantwortung macht." 

Doch dann kommt alles anders
Wilma arbeitet in einem Betrieb, der Badezimmermöbel herstellt. Sie qualifiziert sich zur Vertriebschefin, ist schließlich sogar für 20 Mitarbeiter verantwortlich. Ein Job, den Wilma bis zur Rente gemacht hätte. Doch dann kommt alles anders: Nach 20 Jahren geht das Unternehmen Konkurs. "Plötzlich war ich arbeitslos. Was nun?" Wilma gründet mit ihrem damaligen Partner eine Werbeagentur. "Zum ersten Mal war ich nun selbstständig. Lernte die Ängste kennen, ob auch im nächsten Monat das Geld reicht." Die Agentur läuft gut. „Ich weiß, was ich kann!" Diese Erfahrungen, die Wilma bis Mitte 35 gemacht hat, sind für ihren weiteren Lebensweg entscheidend.

Wiedersehen mit Folgen
Im Herbst 2005 walkt Wilma Enser durch den Wald, grübelt über dies und das. Plötzlich kommt ihr Jugendfreundin Gisela in den Sinn. "Als 14-jährige Teenies hatten wir uns im Urlaub in den Alpen kennengelernt, sind zusammen gewandert, hatten viel Spaß. Doch nach anderthalb Jahren schlief unser  Briefkontakt ein." 30 Jahre sind seitdem vergangen. "Was ist aus ihr geworden?", fragt sich Wilma. Zuhause ruft sie Giselas Mutter an. „Ich erfuhr, dass Gisela auf Hawaii lebt." Noch am gleichen Abend telefonieren die beiden Freundinnen. „Es war richtig aufregend. Wir waren sofort wieder vertraut wie damals." An diesem Abend beschließt Wilma, ihre Freundin auf Hawaii zu besuchen. Drei Monate später sitzt sie im Flugzeug. Ein Besuch, der ihr Leben verändert.

Toekini, Foto: Andreas Krone / Klick GermanyBikini für die Zehen
"Stundenlang unterhielt ich mich mit Gisela, wir bummelten über die Insel. Das bunte Leben faszinierte mich. Auf einem Markt entdeckte ich Kinder, die lustige Ketten für Füße verkauften." Obwohl sie viel zu klein für ihre Füße sind, kauft sich Wilma eine, steckt sie in die Tasche. Monate später, sie ist längst wieder Zuhause, hält sie die Kette wieder in der Hand. "Eine schöne Idee", denkt Wilma. Sie kauft Perlen und bastelt eine Kette für sich. Diese Kette ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte. "Als der erste Mann vor meinen Füßen stehen blieb, begann ich, mich ernsthaft mit dem Schmuck zu beschäftigen." Wilma recherchiert im Internet. Doch diesen Schmuck gibt es in ganz Europa nicht. Sie gründet die Firma "TOEKINI", "Bikini für die Zehen", lässt sich die Idee vom Patentamt als Gebrauchsmuster schützen.

Toekini, Foto: Andreas Krone / KlickGermanyDie Kraft meines Lebens
Und jetzt kommen ihr die Erfahrungen ihres Lebens zu Gute: Das Vertrauen in die eigene Kraft, das Wissen um die Unsicherheiten in der Selbstständigkeit. "Ich stieg aus der Werbeagentur aus, suchte mir einen Nebenjob. Jetzt organisiere ich das Büro einer Landtagsabgeordneten und die finanzielle Sicherheit ermöglicht es mir, mein Unternehmen in Ruhe aufzubauen." Unterdessen beschäftigt Wilma vier Frauen, die TOEKINIs in Heimarbeit herstellen. Immer mehr Händler ordern den glamourösen Fußschmuck. "Wenn sich die TOEKINIs weiter so entwickeln, kann ich meinen zweiten Job demnächst kündigen", sagt Wilma Enser stolz.

 

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