Lieblingsorte zum Anbeißen
Angela Sulkowski produziert „Pralinen meiner Stadt“
Dortmund oder Duisburg zum Anbeißen, Berlin als zarte Versuchung - mit Karamell, Mandel-Nougat oder Orangencreme gefüllt. Jedes Motiv bei "Pralinen meiner Stadt" schmeckt anders. Dafür sorgt Konditorin Angela Sulkowski.

In zarter gelber Schrift, leicht zu übersehen, steht auf dem Schaufenster: "Pralinen meiner Stadt". Es duftet lecker nach Schokolade. Lächelnd lädt Angela Sulkowski in ihre Werkstatt in den Keller. Hier rührt sie Tag für Tag die Füllungen für ihre Pralinen. "Essen Sie immer noch gerne Schokolade", frage ich neugierig. "Ich liebe Schokolade, kann keinen Tag ohne auskommen", sagt sie fröhlich.
Angefangen hat die Geschichte nicht erst mit der Gründung der Pralinen-Manufaktur in Herne Ende 2009, sondern fast drei Jahre früher. Am 1. Januar 2007 bekommt Angela Sulkowski einen ungewöhnlichen Auftrag: "Ich sollte eine neue Pralinen-Edition für ein Catering-Unternehmen entwickeln." Der Anlass: Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt 2010. Wochen und Monate probiert die Konditorin verschiedene Füllungen, bis die 16 "Pralinen meiner Stadt" perfekt schmecken. Das Besondere: Die Deckel aus feiner weißer Schokolade sind mit Wahrzeichen des Ruhrgebietes bedruckt. Die Pralinen werden ein Erfolg. Schon bald bestellen Cafés, Buchhandlungen, Tee- und Kaffeeläden die leckeren Köstlichkeiten. Trotzdem: Das Catering-Unternehmen muss im Herbst 2009 Insolvenz anmelden.
Arbeitsamt
oder Business-Plan?
Der Insolvenz-Verwalter macht Druck. Innerhalb von zwei Wochen muss sich die 28-Jährige entscheiden: Gehe ich zum Arbeitsamt oder schreibe ich einen Business-Plan? Angelas Zweifel sind stark: "Ich hatte überhaupt kein Eigenkapital, hatte keine Ahnung von Buchhaltung oder Marketing. Schaffe ich es trotzdem, von meinen Pralinen zu leben?" Andererseits weiß Angela: Das Catering-Unternehmen ist nicht wegen der Pralinen insolvent gegangen. Im Gegenteil! Viele Kunden hatten die Pralinen schon nachbestellt. Und 2010 würde Essen Kulturhauptstadt sein. Das verspricht einen noch höheren Absatz.
Angela geht mutig den Schritt in die Selbstständigkeit
Angela Sulkowski schreibt den Business-Plan, borgt sich von Eltern, Bruder und Freund das Geld, um die Marke "Pralinen meiner Stadt" dem Insolvenzverwalter am 10. November 2009 abzukaufen. "Die Maschinen musste ich zunächst bei der Feuerwehr unterstellen. Dann schnell Räume suchen, renovieren."
Schon zehn Tage später produziert Angela wieder. Innerhalb von sechs Wochen
gießt sie 20 000 Pralinen. Das hat sie fast um den Schlaf gebracht: "Ich
gönnte mir nur noch vier Stunden Ruhe in der Nacht. Wollte so viele
Aufträge wie möglich erfüllen." Der extreme Stress hat sich gelohnt.
Angela Sulkowski hat den Einstieg in die Selbstständigkeit geschafft. Heute
beliefert sie 39 Verkaufsstellen. Und jede Woche werden es mehr.
Autorin: Jana Schütze
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