"Die Rosen haben mich verführt"

Mechtild Heidrich, die Rosenunternehmerin

Sie heißen Madame de la Roche-Lambert, Chapeau de Napoleon und Leonardo da Vinci und blühen im Garten von Mechtild Heidrich in Bruchhausen an den Steinen. Eine romantische Liebesgeschichte, die vor 15 Jahren mit einem Rosenstrauch begann.



Foto: Andreas KroneKleopatra ließ ihre Kissen mit Rosenblättern füllen, Nero ließ. Rosenblüten von der Decke regnen und im 16. Und 17. Jahrhundert wurden die Decken von Ratssälen mit Rosen bemalt. Keine andere Blume hat so viel Verehrung erfahren, wurde so innig bedichtet wie die Königin der Blumen. Trotz all der Verehrung mochte Mechtild Heidrich (51) aus dem Hochsauerland Rosen nicht. „Ein Rosenstrauß wirkte wie ein künstlich designtes Objekt. Eine Blüte glich haargenau der andern. Ich fand Rosen überzüchtet, sie sahen unnatürlich aus und dufteten nicht. Eine Kunstblume, die mich langweilte." Sicherlich hätte sich Mechtild Heidrich auch gar nicht weiter mit dieser Blume beschäftigt, wenn sie nicht zufällig einen Artikel über den Rosenkrieg der englischen Adelshäuser York und Lancaster gelesen hätte, die eine weiße beziehungsweise rote Rose in ihrem Wappen trugen. Die „Rote Rose von Lancaster" ist es, die das Leben der Lehrerin für Biologie und Englisch umkrempelt. Denn Mechtild Heidrich verliebt sich.

„Zum ersten Mal erfuhr ich etwas über historische Rosen, die viel wilder und romantischer wachsen, als die modernen."

Im Sommer 1992, Tochter Marie ist gerade geboren, kaufen die Heidrichs ein altes Fachwerkhaus mit 1400 Quadratmeter in Assinghausen, einem kleinen Dorf bei Olsberg im Hochsauerland. Mechtild baut erst einmal Gesundes an: Tomaten und Gurken, Kartoffeln und Bohnen. Einzig der steile Hang vor dem Haus bereitet Mechtild Kopfzerbrechen. „Dort wollte ich eine Hecke als Begrenzung pflanzen, damit Marie nicht hinunterstürzt." In dieser Zeit liest Mechtild den Beitrag über Rosen zur Zeit der Rosenkriege in England. „Zum ersten Mal erfuhr ich etwas über historische Rosen, die viel wilder und romantischer wachsen, als die modernen." Doch als sie in ihrer Gärtnerei eine Rosa gallica officinalis „die Rote Rose von Lancaster" erwerben will, kann man damit überhaupt nichts anfangen. „Historische Rosen, die gibt's nur ganz selten." Das stachelt Mechtilds Ehrgeiz an. Sie fährt hunderte Kilometer quer durch Deutschland, bis sie endlich die ersten 20 Büsche ergattert. Als sie die Rosen in ihren Garten setzt, wird sie wieder belächelt. Selbst gelernte Garten- und Landschaftsbauern behaupten: „Rosen im Hochsauerland, das klappt  nur mit ganz wenigen Sorten! Im Winter ist es zu kalt, im Sommer zu regnerisch!" Schon im nächsten Jahr blühen die Büsche leuchtend purpurrot und rosa, duften weit. Mechtild: „Ich saß im Garten und war verliebt in meine Rosensträucher. Vor allem der Duft hatte es mir angetan. Zum ersten Mal dachte ich: Vielleicht sollte ich Rosen verkaufen?"

Foto: Andreas Krone„Die Rosen haben mich verführt. Heute verführe ich viele Menschen in das Reich einer Königin"

Zu diesem Zeitpunkt ist Mechtild schon seit Jahren arbeitslos. Lehrer wurden damals nicht gebraucht. Deshalb sucht sie nach einer Alternative für sich. Sie spricht mit Ehemann und Freunden über ihre Idee. Die ermutigen sie.

Und so legt Mechtild los. Buddelt den Gemüsegarten um, pflanzt Rosen. Jahr für Jahr blühen und duften mehr Pflanzen in ihrem Garten. Immer öfter bleiben Leute stehen, bewundern die Farbenpracht. Im Herbst '96, die zweite Tochter Fabienne ist gerade ein Jahr alt,  kauft Mechtild die ersten 500 Rosen zum Verkauf. „Bis Weihnachten hatte ich erst 50 Pflanzen verkauft. Viel weniger, als ich gehofft hatte!" Doch Mechtild macht weiter. Steckt Nachbarn und Freunde mit ihrer Begeisterung an, wirbt in Nachbarorten und auf Gartenmärkten. Im nächsten Jahr verkauft sie schon 700 Pflanzen. Sie gründet mit Freunden einen Rosenverein. Heute ist das Fachwerkdorf Assinghausen ein Meer aus weißen, rosa und roten Rosen. In den Privatgärten, aber auch in den öffentlichen Anlagen blüht es üppig. Bürger und auch Vereine kümmern sich um die Pflege der vielen Rosen. Der Lohn des gemeinsamen Engagements: Die Gesellschaft deutscher Rosenfreunde hat das Fachwerkdorf im Juli 2007 zum sechsten und jüngsten Rosendorf Deutschlands ernannt.

Foto: Andreas KroneDoch dann gerät Mechtild Heidrich in eine Zwickmühle. Im Jahr 2000 wird ihr endlich eine Festanstellung als Lehrerin angeboten. Die Arbeit an der Hauptschule macht ihr Spaß. Voller Elan versucht sie alles unter einen Hut zu bekommen: Lehrerdasein und Gärtnerei, Rosenverein und Projekt Rosendorf. Fünf Jahre hält sie durch. Dann muss sie sich entscheiden: Schule oder Rosen? Die Liebe zur Rose siegt. „Da unser Garten für eine Selbständigkeit zu klein wurde, suchte ich nach einem neuen Objekt für meine Rosengärtnerei. Ich hatte unterdessen über 200 Sorten im Angebot. Es fehlte an Parkplätze." Im Sommer 2008 entdeckt sie nur drei Kilometer von ihrem Haus entfernt den richtigen Platz für ihre Rosenträume. Im Gutshof Schloss Bruchhausen mietet sie einen Teil der alten Meierei. Den ganzen Winter schuftet sie. Und die ganze Familie, Ehemann Helmut und die beiden Töchter, helfen mit.  Sie richten ein Café ein, bepflanzen den Garten und ziehen mit ihrer kleinen Gärtnerei um.   Mechtilds „Rosenbogen" ist längst ein Geheimtipp für den gesamten westfälischen Raum geworden. In ihrem Online-Shop verkauft sie die Pflanzen sogar bis nach Frankeich und Italien, mehr als 3000 Pflanzen pro Saison. „Längst schaffe ich die Arbeit nicht mehr alleine, habe sieben Mitarbeiter. Ohne Unterstützung meiner Familie ginge es gar nicht." Für ihre Leidenschaft, aber auch für ihr Wissen wird Mechtild Heidrich im September 2010 mit dem Innovationspreis Sauerland im Bereich Tourismus ausgezeichnet. Karin Schulze in ihrer Laudatio: „Mit Mechtild Heidrich hat die Jury eine Unternehmerin ausgezeichnet, die mit viel Herzblut und Leidenschaft aus ihrem Hobby, der Rosenzucht, ein erfolgreiches Unternehmen mit touristischem Mehrwert gemacht hat."

Mechtild Heidrich schnuppert genussvoll den Duft der zarten Blüten die zarten Blüten der „Roten Rose von Lancaster": „Die Rosen haben mich verführt. Heute verführe ich viele Menschen in das Reich einer Königin", sagt Mechtild Heidrich. „Einer Königin, die schon lange blühte, bevor es Menschen gab."   

Foto: Andreas Krone

Die sieben goldenen Tipps der Rosenfachfrau

  1. Lassen Sie sich beraten

Rosen mögen das Umpflanzen nicht. Daher sollte man sich vorher genau überlegen, an welchen Standort man welche Rosensorte setzt.

  1. Achten Sie auf gesunde Sorten

Ausschließlich pilzresistente,  allgemein robuste, krankheitsresistente Gartenrosen  von bewährten Händlern oder Züchtern pflanzen, die auch ohne chemischen Pflanzenschutz kräftig wachsen.

  1. Rosen lieben zwar die Sonne, aber auch Luftzirkulation

Lichter Halbschatten ist manchmal besser als die pralle Südwand

  1. Entscheiden Sie sich:

Duft und Haltbarkeit scheiden sich weitgehend aus. Also nehmen Sie in Kauf, dass die stark duftenden Blüten der alten Sorten schnell vergänglich sind

  1. Suchen Sie die richtigen Begleiter

Rosen entfalten ihre ganze Schönheit am besten zusammen mit Stauden: Frauenmantel, Lavendel, Ziersalbei, Glockenblumen, Rosenwaldmeister, Katzenminze und viele mehr

  1. Keine Angst vorm Schneiden

Durch falschen Schnitt ist noch keine Rose eingegangen. Wenn Sie unsicher sind, besuchen Sie einen der zahlreichen Schnittkurse in Ihrer Nähe

  1. Üben Sie sich in Geduld

Vor allem wurzelnackte Rosen brauchen Zeit um einzuwurzeln und sich zu entwickeln.

Altes Sprichwort: Geduld bringt Rosen!

 

Autorin: Jana Schütze

 








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