„Fußball und Mode passen gut zusammen“
Gabriele Strehle kleidet die deutsche Nationalelf ein
Gabriele Strehle ist seit über 30 Jahren der kreative Kopf des Modelabels Strenesse. "Mit klaren Strukturen" lebt sie, so hat sie auch ihr Unternehmen wachsen lassen.
(aus: existenzielle 2/2006)
Zierlich, ungeschminkt, in weißen Hosen, grauem Pulli mit Knopfleiste und schwarzem Mantel bewegt sich Gabriele Strehle zwischen hauchfeinen Geweben und Kreationen im Strenesse-typischen Schichtenlook. Die braungebrannten Füße stecken in modischen Flip-Flops. „In der Arbeit trage ich eigentlich immer Schwarz. Da reduziere ich mich vollkommen und konzentriere mich ganz auf das, was ich mache.“ Im Moment stecken sie und ihre Teams in Nördlingen, München und Mailand mitten in den Vorbereitungen für die Sommersaison 2007.
Ab Herbst 2005 entwarfen sie die offizielle Freizeit- und Ausgehkleidung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Im Münchner Showroom von Strenesse hängt das WM-Outfit des DFB in Reih und Glied. Helle, freundliche Farben, leichte Stoffe – und ein klares Statement für Deutschland. Sternchen in Schwarz, Rot, Gold verzieren hier einen Ärmel und dort das Revers – für jede gewonnene Weltmeisterschaft eines. „Ein solches Ereignis hat für mich schon eine gewisse Faszination“, betont Gabriele Strehle, seit über dreißig Jahren kreativer Kopf des schwäbischen Textilunternehmens. „Und da ist es mir unglaublich wichtig, dass wir auch modisch starke Aussagen haben.“ Nur zu gut hat sie die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Kopf, das Bild des Sportlers, der im viel zu großen Anzug die deutsche Flagge vor sich herträgt. Die gelernte Maßschneiderin besann sich auf die Tradition des Tailoring. „Wir haben jeden einzeln vermessen und die Anzüge körpergenau entworfen“, sagt die Designerin und nestelt an einem Etikett. „Aus der Maßschneiderei haben wir auch die Idee übernommen, das Datum und den Namen hineinzuschreiben - so wie früher, wenn man sein Sakko abholte.“
Fußball war für Gabriele Strehle lange Zeit ein Hintergrundgeräusch. Beim Gemüseschnipseln am Wochenende, wenn sie von der Küche aus das Jubeln und Stöhnen von Mann und Tochter verfolgen konnte, die es sich vor dem Fernseher bequem gemacht hatten. Inzwischen kennt die Modemacherin die deutschen Nationalspieler besser als jeder Fan. „Fußball und Mode passen gut zusammen“, hat sie festgestellt. „Für beides muss man Leidenschaft mitbringen.“ Für die Designerin war die Arbeit am DFB-Outfit „ein Gesamtkonzept und eine Abwechslung von der normalen Arbeit an den Kollektionen“. „Wir haben sogar eine passende Brille zu der Kollektion gemacht.“
Im Kreis der deutschen Elf wirkt Gabriele Strehle klein, zart und ausgesprochen aufgeräumt. Mit geübtem Griff zupft sie Bastian Schweinsteiger die Kapuze zurecht und lächelt mit Teamleader Ballack in die Kamera. „Man muss die Bedürfnisse der Spieler kennen, um darauf einzusteigen“, erklärt sie. Auch darum ging es beim Fotoshooting für das magazinige DFB-Special aus dem Haus Strenesse zur WM. „Wir haben mit Teilen aus unserer Herrenkollektion gespielt, um die einzelnen Charaktere herauszuschälen.“ Im hellen Sommeranzug und Kaschmir im T-Shirt-Schnitt machen die Jungs eine gute Figur. Lässig, aber nicht verkleidet. Das ist der Anspruch, den Gabriele Strehle an sich stellt. Ihre Mode soll sich anschmiegen wie eine zweite Haut und sich nicht in den Vordergrund spielen: „Ich möchte mich an das Gesicht eines Menschen erinnern und nicht an die Klamotte.“
Den Rhythmus im Design-Geschäft geben die beiden großen Schauen vor, eine im Frühjahr und eine im Herbst. „Der Markt ist viel schneller geworden“, sagt Gabriele Strehle, die jedes Jahr zweimal vier Kollektionen präsentiert. „Inzwischen bringen wir auch innerhalb der Verkaufsperiode so genannte „Flashes“ heraus. Das sind kleine Programme von etwa zwanzig Teilen, mit denen wir auf kurzfristige Trends reagieren und das Sortiment auffrischen.“ Ein enormes Pensum, das ganze Jahr über geht es Schlag auf Schlag. „Die Leidenschaft für das, was ich tue gibt mir Kraft“, sagt sie. Ihre Kreativität brauche einen gewissen Zeitdruck. „Wenn alles dahinplätschert, das ist doch langweilig.“
Das Unternehmerische überlässt sie gerne ihrem Mann Gerd Strehle. „Ich bin ganz klar eine Kreative“, sagt sie. „Es ist ein Glück, dass wir uns das so aufteilen können.“ Mode, das ist für sie Ausdruck von Stilsicherheit und Teil eines Lebensgefühls. Solides handwerkliches Können und ein ausgeprägtes Bewusstsein für Traditionen spielen in ihrer Arbeit wie in ihrem Privatleben eine entscheidende Rolle. Unabhängig davon, ob sie den in der Modewelt vernachlässigten Handstich kultiviert oder auf die Wonnen eines Wiener Schnitzels schwört - mit frisch geriebenen Semmelbröseln versteht sich. Schließlich ist Qualität auch eine Frage der Zeit, die man auf ihre Herstellung verwendet. „Ich bin ein Mensch mit ganz klaren Strukturen“, sagt sie über sich selbst. „Das ist Teil meiner Erziehung - und so ist auch die Marke Strenesse gewachsen."
Autorin: Gunda Achterhold
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