Nach dem Teekampagnen-Prinzip
Christine Weinbach, Pure - Bio.Tampons
Warum sind Bio-Tampons so teuer? Das hatte sich Christine Weinbach schon vor vielen Jahren gefragt. Als sie das Buch von Günter Faltin über die Teekampagne las, fiel ihr diese Frage wieder ein - und die Lust auf neue berufliche Wege. Sie entwickelte das Konzept für einen Online-Handel mit Bio-Tampons. Auch hier wird die Handelskette verkürzt und nach dem Prinzip der Teekampagne eingekauft: eine Sorte in großen Mengen.
„Eine Frau, die regelmäßig Tampons verwendet, verbraucht im
Laufe ihres Lebens ca. 10.000 Stück davon - sie trägt also insgesamt ca. fünf
Jahre ihres Lebens einen Tampon im Körper", hat Christine Weinbach ausgerechnet
und ergänzt: „Also ist es nicht egal, woraus ein herkömmlicher Tampon
besteht." Der Saugkörper konventioneller
Tampons bestehe oft aus Viskose, eine Chemiefaser aus dem Grundstoff Zellulose.
„Für die Gewinnung von Zellulose werden Sägespäne aus Holz mit Natriumlauge und
Natriumsulfitlauge bei 170°C gekocht, um Lignin und Hemicellulose
herauszulösen. Die verbleibende Zellulose wird durch Zusatz von Wasser,
Natronlauge und Schwefelkohlenstoff zu einer Viskoselösung verarbeitet, unter
hohem Druck durch Spinndüsen zu Garn verfestigt und zu ‚Zellwolle' zerkleinert.
Damit das kurzgeschnittene Viskosegarn nicht abfasert und vaginale Entzündungen
hervorruft wird er mit einer Kunststoff-Umhüllung umwickelt und mit ihr
verklebt."
Für Christine Weinbach, die von sich selbst sagt, dass sie eine „Bio-Tante" ist, Grund genug, nach einem Alternativ-Produkt zu suchen, das allein aus Baumwolle besteht. In Bioläden oder im Versandhandel hat das allerdings seinen Preis. Während konventionelle Tampons 8 bis 10 Cent das Stück kosten, seien es bei Bio-Produkten bereits 20 bis 27 Cent. Dass das günstiger geht, hatte Christine Weinbach von der Teekampagne gelernt - und begann zu recherchieren. „Das Handelsmodell fußt auf drei Prinzipien", erklärt sie. „Sie vermarkten Großpackungen, Sie vermarkten nur ein Produkt und Sie kaufen direkt beim Hersteller ein, schalten also die Zwischenhändler aus."
Foto: Pure Bio.Tampons. Ein ausgepackter Bio-Tampon (li.) und ein konventioneller Tampon (re.) im Vergleich. Das konventionelle Produkt ist neben dem Saugkörper aus Chemiefaser noch mit einer Kunststoffumhüllung umfasst, damit der Saugkörper nicht abfasert.
Bis sie allerdings einen Produzenten fand, der an das kleine,
im Aufbau begriffene Unternehmen liefern wollte, verging viel Zeit. „Vier
Monate habe ich auf das letzte Angebot gewartet", erzählt Christine Weinbach.
Immer wieder wurde sie vertröstet: „Ihr Anliegen liegt bei uns ganz unten." Das
Warten jedoch lohnte sich, das Angebot überzeugte die Gründerin und die Planung
wurde konkret. Ende 2010 löste Christine Weinbach einen Bausparvertrag auf,
„der hätte ohnehin zum Leben nicht gereicht",
und bestellte 15.625 Packungen Tampons, eine Million Stück. Unter dem
Label Pure Bio-Tampons verkauft sie sie umgerechnet zu einem Stückpreis von 11
Cent - „unschlagbar", ist die Unternehmerin überzeugt.
Vermarkten wird sie die Tampons über ihren Online-Shop, im Hintergrund werden die Prozesse über ein modernes Warenwirtschaftssystem professionell gesteuert. Dass sich ihre Marke schnell weitererzählt, davon ist die Gründerin überzeugt. Das Internet-Marketing ermögliche viele Wege. Wer immer sich mit seinen Webseiten an Frauen wende, Nachhaltigkeit zum Thema habe oder Öko-Produkte direkt liefere, könne die Pure-Botschaft transportieren.
„In unserer arbeitsteiligen Gesellschaft kann jede Unternehmerin sein", mit diesem von Günter Faltin inspirierten Gedanken, startet Christine Weinbach offiziell am 1. Februar 2011. Erfolg gehört zum Unternehmerin-Sein dazu. Dass sich der einstellt, daran hat die Gründerin keinen Zweifel.
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