Spiritualität - 'n Dampfmaschin?
Raum und Zeit für das Wesentliche
Werte und Spritualität haben Einzug gehalten in die öffentliche Diskussion um Wirtschaft und Arbeit. Im Wortsinn ist Spirit der Atem - ein gutes Bild für die, die im Alltag unter Dampf stehen.
Wat is'n ' Dampfmaschin? Da stelle ma uns ma janz dumm ...
So, so, Professor Bömmel geht an die komplizierten Fragen des Lebens also ganz pragmatisch heran: Dat is 'ne große, runde, schwarze Raum.
Ich mag diese Szene aus dem Film „Die Feuerzangenbowle", nicht nur weil ich eine Ingenieurstochter bin. Komplizierte Themen von Grund auf angehen, das ist spannend und oft auch erhellend.
Licht auf das Thema Spiritualität werfen, das möchte ich. Das ist mein roter Faden in allem was ich tue, beruflich und persönlich.
Und was ist nun Spiritualität?
Da stelle ich mich jetzt auch mal ganz dumm ... und sage: Das ist ein weites Feld.
Die einen verstehen darunter Esoterik aller Art, die anderen kirchentreue Religiosität. Es gibt so viele verschiedene Definitionen und Lebensweisen. Manche streiten sogar darum, dass dieser Begriff nur zu ihrer Ideologie gehört.
Spiritualität hat etwas mit Atem zu tun (lat. spirare) und mit Geist (spiritus). Und das ist doch schon wunderbar weit, oder?
Der Atem ist das, was mich leben lässt, er füllt mein Innen. Er erneuert mich in jedem Moment. Ohne Atemluft kann ich nur wenige Minuten leben, dann muss ich wieder atmen, sonst sterbe ich.
Der Atem füllt meine leere Lunge, die nur auf ihn wartet. Es ist eine ständige Wechselbewegung von Einatmen und Ausatmen, Nehmen und Loslassen.
Der Atem ist für mich als Mensch wesentlich, ich brauche ihn, und dass ich ihn habe, macht mich als lebendiges Wesen aus.
Das gleiche gilt auch für Spiritualität: Sie ist das Leben im Raum des Wesentlichen.
Aber was ist das nun schon wieder?
Es gibt etwas, das unabhängig ist von Bewertungen, von Bemühungen, von Besitz. Es fragt nicht, ob ich attraktiv, intelligent und erfolgreich bin. Ich kann es nicht herstellen oder erzwingen. Es ist einfach da, durchströmt und umhüllt mich, so dass ich leben kann. Es muss nur noch wahrgenommen werden.
Die einen nennen es Gott, Brahman, Jahwe, Allah, andere nennen es das Göttliche, das Absolute, das Sein, alles umfassende Liebe.
Um mich hier nicht in die Theologie zu versteigen, halte ich an und schaue auf mich als Menschen, der Stunde um Stunde, Tag für Tag sein Leben lebt. Ich lebe aber eben nicht nur in meiner kleinen Haut, in meinem privaten Umfeld, in meiner Rolle, sondern ich bin eingebunden in einen größeren Zusammenhang. Wenn ich mir Raum und Zeit gebe, das zu merken, lebe ich ganz von selbst wesentlich. Es werden mir Aspekte wichtig, die mich liebevoll in Beziehung treten lassen zu anderen Menschen, zu mir selbst und auch meine Arbeit prägen.
Raum und Zeit für das Wesentliche bedeutet, zur Ruhe kommen, atmen, zur Mitte finden, spüren.
Ganz leibhaftig spüren, was ich brauche, um wirklich gut zu leben, persönlich und im Beruf. Nicht nur „rödeln", sondern hinsehen, hinhören, was sich zeigen will. Sich überraschen lassen von den alltäglichen Geschenken des Lebens und daraus resultierende Dankbarkeit als Kraftquelle und nicht als Verpflichtung betrachten.
So, und um nun einen Zirkel zu schlagen vom Anfang bis zum Schluss:
Was hat 'ne Dampfmaschin mit Spiritualität zu tun?
In beiden ist irgendwie Luft drin, nur steht die eine unter Druck und die andere kann ihn wegnehmen.
Ich wünsche Ihnen, auch den Ingenieurinnen unter Ihnen, dass Sie den schwarzen Raum Ihrer Alltagsdampfmaschine verlassen können (vielleicht erst einmal probeweise ...) und atmen: ein und aus, ein und aus, ein und aus ...



