Ran an den Kleiderschrank
Kleiderschränke sind oft ordnungsfreie Zonen, dabei würde es das Leben erleichtern, wenn man endlich mal etwas zum Anziehen im Kleiderschrank finden würde. Vor dem Anbruch der neuen Saison ist die beste Gelegenheit, um Platz zu schaffen, das sagen Stilberater und alte Sprichwörter.
Der kluge Mensch sorgt vor – das ist ein altes Sprichwort, das genauso wahr wie nervig ist. Und wenn es um Mode und die eigene Kleidung geht, gibt es immer etwas vorzusorgen, das ist ein Langezeitprojekt, das hört nicht auf. Auch wenn draußen noch Schneematsch und dicke Stiefel regieren, kriechen allmählich die Frühjahrskollektionen in die Regale und Werbeanzeige. Es kommt die Ahnung auf, dass eine weitere Modesaison zwar doch irgendwie in den übervollen Kleiderschrank hineinpasst, aber den Zustand sicherlich nicht verbessert. Denn mal ehrlich, Kleiderschränke sind wie das Bermuda-Dreieck, ständig schickt man neue Kleidungsstücke hinein und trotzdem ist morgens nichts da, womit man sich anziehen könnte. Man sucht und verliert Zeit. Dazu eine kleine Hochrechnung: das ganze Jahr über steht man ca. zweimal täglich vor dem Kleiderschrank – das sind 730 Gelegenheiten, die ärgern oder stressen können.
Jetzt kommt der Frühling - die passende Zeit, dem ein Ende zu setzen.
Nach eingehender Recherche, scheint sich eine Regel dem Kleiderschrank-Ordner bedingungslos aufzudrängen: Alles, was ein Jahr lang den Kleiderschrank nicht mehr verlassen hat, sollte ganz raus.
Also: Raus mit den alten Hosen, den fleckigen Shirts, den Sommerkleidern, für die der Sommer nie warm genug war und Goodbye zu all den Kleidungstücken, die „mal was anderes“ sein sollten, sich aber doch zu anders für den Alltag erwiesen.
Insa Candrix, Stilberaterin aus Dortmund und existenzielle-Bloggerin, sieht das mit der 1-Jahres-Regel nicht ganz so eng: „Ich finde nicht, dass das die richtige Herangehensweise ist. Es gibt durchaus genügend Kleidungsstücke, die jetzt vielleicht aus der Mode sind oder dem persönlichen Geschmack momentan nicht entsprechen, aber das heißt ja nicht, dass sie nicht wiederkommen oder sogar mit aktuellen Accessoires wiederbelebt werden können.“ Da kann die Schlaghose mit neuen Schuhen oder die langweilige weiße Bluse mit einer anderen Kette neu interpretiert werden.
Immer nur eine Jahreszeit im Schrank
Dennoch sollte wirklich nicht alles im Schrank bleiben, Kleidung die man prinzipiell noch mag, aber effektiv nicht trägt, kann in eine Kiste verstaut oder separat in einen anderen Schrank gelagert auf bessere Tage warten. „In den Schrank gehört nur Kleidung die ich wirklich trage. Also auch nur die Kleidung zur passenden Jahreszeit. Im Winter gehört kein Sommerkleid in meinen Schrank, das hilft nicht dabei, den Überblick zu behalten. Deshalb sollte vor jedem Jahreszeitenwechsel auch der Inhalt des Kleiderschranks wechseln“, meint Insa Candrix. Kleidung mit der man sich nicht wohlfühlt, die kaputt ist oder nicht mehr passt, sollte komplett gehen dürfen.
Hat man den ersten Trennungsschmerz und den Schock, wie hoch der Stapel sich außerhalb des Schranks türmt und wie leer der Schrank nun ist, überwunden, taucht ein neues Problem auf: Wohin mit dem Ausrangierten?
Altkleidersammlungen für karitative Zwecke sind immer gute Anlaufstellen. Oder regen Sie doch ein paar Freundinnen an, es Ihnen gleich zu tun und mit Ihnen einen netten Abend lang eine Kleidertauschbörse im Wohnzimmer zu veranstalten. Die Frage der „Entsorgung“ hält also viele kreative Lösungen bereit: ein Trip zum Secondhand-Shop, ein Ebay-Einsatz, oder eine Stiftung für den Kleiderschrank der Tochter.
Wer möchte ich 2010 sein?
Ist die Garderobe auf eine überschaubare Größe geschrumpft, wird der Überblick plötzlich so klar wie an einem wolkenlosen Tag. Man kann sich fragen: Was brauche ich? Weiß ich vielleicht, dass ich dieses Jahr auf vielen geschäftlichen Meetings sein werde oder ist vielleicht der Sommerurlaub schon geplant? Ich sehe, was mir noch fehlt und kann so strategisch planen, was mein Kleiderschrank wirklich braucht und vermeide so, dass ich die zehnte blaue Bluse kaufe anstatt einer anständigen neuen Wollhose. Vielleicht ist es ja auch Zeit sich einmal über seinen persönlichen Stil Gedanken zu machen: Wer möchte ich 2010 sein?
„Häufig tragen die Leute immer dasselbe, weil sie seit Jahren in denselben Läden einkaufen und die Verkäuferinnen ihnen auch immer dieselbe Art von Kleidung anbieten, aber das muss nicht immer das Richtige sein“, erklärt Insa Candrix.
Also zum Neuanfang im Kleiderschrank mal raus aus der Komfortzone und vielleicht doch mal einen Stilberater um Begleitung bitten?
Auf jeden Fall gibt es einige Stücke, die in einem Kleiderschrank sehr nützliche Dienste leisten können, da sie zeitlos und vielfältig zu stylen sind: Die weiße Bluse oder auch das weiße Männerhemd, zur schwarzen Hose, zum Rock, gegürtelt oder offen ist es ein vielseitiges Kleidungsstück, der Kaschmirpulli (oder auch Twinset) hält im Winter warm und schon Coco Chanel stibitzte sich den Kaschmir-Sweater ihres Freundes und zu guter Letzt die Jeans, das kleine Schwarz und der Blazer.
Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Wie lange kann dieser Zustand anhalten? Für immer oder doch bis die nächsten Fehlkäufe die wunderbare Ordnung verwässern und alle Kleidungsstück wieder kuschelig zusammenrücken müssen?
Auch hier gibt es ein paar Tipps vom Profi: Am besten die Kleidung nach Farbe ordnen, das schafft in der saisonalen Garderobe noch mehr Orientierung und öffnet den Blick für Kombinationsmöglichkeiten. Nichts auf Vorrat kaufen, nichts im Ausverkaufen erwerben, weil es doch so günstig war und vor allen Dingen nie im Voraus für Zeiten einkaufen, in denen die ungeliebten Kilos weg sein werden.
Dennoch bleibt der Kleiderschrank ein Ungetüm, das erst mal gezähmt werden will, aber hier gibt es auch ein besserwisserisches Sprichwort: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Oder war es „… lass sich andere darum sorgen“?
PS: Wer immer noch nicht genug hat, kann sich anschließend ja das Schmuckkästchen, den Schuhschrank und die Sockenschublade vornehmen.
05.02.2010, 12:09
christine stallinger
Ständig geistert mir genau dieses Vorhaben im Kopf rum. Nun bin ich richtig motiviert und die klaren "Regeln" des Artikels werden mir helfen. Ich glaube, dass das Schmuckkästechen etc. auch dran glauben müssen. Ich freue mich schon. Danke für diesen Anschub.
05.02.2010, 10:44
Jutta Wendt
Sehr gute Tipps, die ich endlich mal anwenden kann und auch anwenden will! :-) Liest sich richtig gut! Bis heute hab ich es kein einziges Mal geschafft, diese propagierte Jahresregel anzuwenden. Und ich kenne auch keine Frau, die das macht. Ausser es handelt sich wirklich um ein ungeliebtes Stück oder einen Fehlkauf und da ist \"ausmisten\" nicht schwer. Danke jedenfalls für die Profi-Tipps, die auch wirklich welche sind! Das Frühjahr ist in Sicht ist und ich werde diese Regel gleich mal umsetzen. Liebe Grüße Jutta Wendt




