Was 2012 aktuell los ist.

Das Finanzamt gibt sich modern.

26.04.2012, 12:23 von Franziska Bessau

Bürokratieabbau heißt das Zauberwort und die Umstellung auf den elektronischen Posteingang und Postausgang beim Finanzamt das Abakadabra. Wenn wir jetzt Prinzessinnen sind und diesen Frosch küssen, können wir überrascht sein, ob uns eine Prinzessein, ein Prinz oder doch nur ein Frosch erscheint...



Elektronische Abgabe der Steuererklärung

Wir leben in einem elektronischen Zeitalter und die Finanzverwaltung hält mit. Ab dem Steuerjahr 2011 müssen alle, die Einkommen aus Gewerbebetrieb, Selbständiger Tätigkeit oder Land- und Forstwirtschaft haben, ihre Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung sowie die Anlage EÜR elektronisch (per ELSTER) im Jahr 2012 abgeben. Es kann eine Ausnahmeregelung beantragt werden, wenn Sie persönlich oder sachlich nicht in der Lage sind, die Erklärungen elektronisch abzugeben. Das kann die technische Ausstattung sein, z.B. es ist nur ein Mac verhanden und das ELSTER-Programm harmoniert nicht damit, oder wenn Sie keine Mail-Adresse haben oder überhaupt keinen PC oder nur ein sehr altes Betriebsprogramm oder persönlich gar keine PC-Ambitionen.

Bisher musste der elektronische Ausdruck mit Ihrer Unterschrift und den gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen zusätzlich beim Finanzamt eingereicht werden. Reichen Sie die Erklärungen mit einer elektronischen Signatur ein, brauchen Sie den elektronischen Ausdruck nicht unterschreiben und auch nicht in Papierform einreichen. Ob Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen trotzdem einreichen müssen oder nur auf Anfrage vom Finanzamt, kann ich Ihnen leider nicht klar und eindeutig beantworten, da es nirgenwo ausdrücklich formuliert ist. Zu diesen Unterlagen gehören z.B. die Spendenbescheinigungen oder die Einnahmenüberschussrechnung, sofern Sie nicht verpflichtet sind das Formular (jetzt ist das der Datensatz), abzugeben.

Ich rate Ihnen zu Bürokratieverkürzung und dazu, dem Finanzamt im Anschreiben oder einer Notiz mitzuteilen, dass Sie die Belege auf Anfrage nachreichen würden.

 

PendlerInnenpauschale

Für die regelmäßigen Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bzw. regelmäßiger Arbeitsstätte, wurde bisher durch das Finanzamt meistens die kürzeste Strecke anerkannt. Der BFH (BFH v. 16.11.2011, VI R 19/11 und VI R 46/10) hat entschieden, dass entweder die kürzeste Strecke entscheidend sei oder die tatsächlich regelmäßig benutzte Strecke. Die tatsächlich regelmäßig benutzte Strecke muss nur verkehrsgünstiger sein. Eine Strecke ist verkehrsgünstiger, wenn die Fahrtzeit geringer ist, weniger Stau hat oder weniger Ampeln. Es muss nicht die verkehrsgünstigste Strecke sein.

Es kann nur eine oder keine regelmäßige Arbeits- bzw. Betriebsstätte geben, d.h. alle anderen Fahrten sind dann rein betriebliche Fahrten bzw. können mit den tatsächlich gefahrenen km und der Kilometerpauschale von 0,30 €/km berechnet werden. Eine regelmäßige Arbeitsstätte ist der Mittelpunkt und zentrale Ort der beruflichen Tätigkeit. Wenn Sie regelmäßig an einen bestimmten Tätigkeitsort fahren, ist das nicht automatisch die regelmäßige Arbeitsstätte. Sind Sie an mehreren Orten tätig, kann es sein, dass Sie gar keine regelmäßige Arbeitsstätte haben und alle Fahrten beruflich veranlasst sind und Verpflegungsmehraufwendungen geltend machen können (BFH 09.06.2011 VI R 55/10, VI R 36/07, VI R 58/09).

 

Wenn das Wohn- oder Schlafzimmer auch das Arbeitszimmer ist...

Sie haben eine Arbeitsecke im Wohnzimmer oder Schlafzimmer, jedoch keinen eigenen Raum für das häusliche Arbeitszimmer? Die gesetzliche Regelung sieht für diesen Fall keinen Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug vor. Seit der BFH bei den Reisekosten entschieden hat, dass diese anhand der privaten und beruflichen Veranlassung  aufgeteilt werden müssen, ist nun die strikte Trennung vom Privaten beim Häuslichen Arbeitszimmer auch vakant. Die Frage ist, ob auch bei einer Arbeitsecke, die Raumkosten anteilig Betriebsausgaben oder Werbungskosten sein können. Vor dem Bundesfinanzhof läuft ein Verfahren (AZ: X R 32/11), in dem diese Frage geklärt werden soll. Solange dieser Fall nicht entschieden ist, wird das Finanzamt die Kosten für die Arbeitsecke nicht akzeptieren. Nichtsdestotrotz können Sie die Berücksichtigung der Kosten beantragen und einen entsprechenden Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einlegen. Dann können Sie von der eventuell positiven Entscheidung des Bundesfinanzhofes profitieren.

 

Freie Steuerklassenwahl für verpartnerte Lesben und Schwule

Viele Finanzgerichte haben gegen Ende des letzten Jahres und Anfang dieses Jahres entschieden, den verpartnerten Lesben und Schwulen die gleiche Lohnsteuerklassenwahl wie Eheleuten zuzubilligen. Das Finanzministerium NRW hat die Finanzämter in NRW angewiesen, auf Antrag die Steuerklassenwahl III und V anzuwenden und auch im Steuerveranlagungsverfahren zunächst den Splittingtarif zu gewähren. Welche verpartnert sind, können also den Antrag auf Lohnsteuerklasse III und V oder IV und IV (nur möglich, wenn beide angestellt arbeiten) stellen.

Aktuellest Informationen finden Sie auch unter www.lsvd.de.

 

Einnahmenüberschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenen Formular/Datensatz ist rechtmäßig

Wider Erwarten hat mit Urteil vom 16.11.2011 hält der BFH (X R 19/10) die Einnahmenüberschussrechnung auf amtlich vorgeschriebenen Formular für gesetzeskonform und zulässig.

Die geäußerten Bedenken, dass es keine gesetzliche Grundlage gäbe und dieses Verfahren nicht zu einer gleichmäßigeren Besteuerung führen würde, hat der Bundesfinanzhof ausgiebig zerstreut. Mithin meint er, dass die EÜR-ler es ja viel einfacher hätten, als die bilanzierenden Unternehmen: Diese müssten sogar über 400 Felder ausfüllen. Daher sei es auch angemessen, dass kleine Unternehmen ihre EÜR auch schon ab 2012 elektronisch abgeben (Bilanzierende erst ab 2013 und mit einer großzügigen Übergangsregelung sogar erst ab 2014).

Meines Erachtens haben Einnahmen-Überschuss-RechnerInnen keine Lobby. Während für Bilanzierende ausgiebig und lange an einer „Taxanomie" gearbeitet wird, an deren Ende aus der Buchführung und dem Jahresabschluss eine „versendbare" Bilanz entsteht, wurde das Formular für die Einnahmenüberschussrechnung bisher erst am Ende des laufenden Jahres veröffentlicht. Selbst wenn die Buchführung nach den vermeintlichen Formularfeldern eingerichtet wurde, können Sie es am Ende mit ganz anderen Formularfeldern zu tun haben.

Sie können sich mit Ihrer Buchführung nur ungefähr auf ein Formular einstellen.

Wenn beim Finanzamt einen Einspruch eingelegt wurde, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt jetzt nachträglich die Einnahmenüberschussrechnungen nach amtlich vorgeschriebenem Formular anfordert.

Ab dem Erklärungsjahr 2011 sind Sie verpflichtet die EÜR nach "amtlich vorgeschriebenen Datensatz" elektronisch zu übermitteln.
Liegen Ihre Gesamteinnahmen aus der selbständigen Tätigkeit unter 17.500 €, brauchen Sie das nicht. Dann reicht es aus, wennSie Ihre eigene Einnahmenüberschussrechnung erstellen und dem Finanazmt diese auf Anfrage zur Verfügung stellen (s.o.).

 

Rentenversicherungspflicht für alle Selbständigen geplant

Ab Mitte 2013 soll die RV-Pflicht für alle Selbständige eingeführt werden. Vor allem die bis 30-jährigen sollen dann mit einem Betrag zwischen 250 bis 300 € im Monat einzahlen. Für 30-50 jährige soll es eine Befreiungsmöglichkeit geben, wenn sie schon genug vorgesorgt haben und über 50 jährige soll die RV-Pflicht nicht treffen.

Es wird Ausnahmeregelungen geben und die alte „RV-Pflicht für bestimmte Selbständige soll entfallen. Die genauen Regelungen bleiben abzuwarten.

 

Geplante Änderungen 2013 und 2014

  • Die Anhebung des Einkommensteuerfreibetrages auf 8.130 € (16.260 €) in 2013 und voraussichtlich auf 8.345 (16.690 €) in 2014
  • Die Umsatzsteuerfreiheit für Unterricht und Vorträge, wenn Kenntnisse im Rahmen festliegender Lehrprogramme und Lehrpläne vermittelt werden. Eine Bescheinigung der Landesbehörde soll dann nicht mehr notwendig sein. So wären z.B. der Musikunterricht und Tanzkurse umsatzsteuerfrei. Trotz der Vereinfachungen bleibt Raum für rechtliche Auseinandersetzungen. Interessant wird diese neue Regelung sicher auch für den Yogaunterricht.

 

Franziska Bessau
www.steuerberaterinnenbuero.de

 






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Vor der Gründung und nach der Gründung ist die Selbstständige immerzu mit dem Drumherum der Unternehmensführung beschäftigt. Sie muss Rechnungen und Fahrtenbuch schreiben, lästige Belege abheften, Steuererklärungen abgeben oder der Krankenversicherung das aktuelle Einkommen mitteilen und werben, werben, werben ... Wie ist das mit dem „Selber- und dem Richtig-Machen"? Kennen Sie den Groll, wenn schon wieder ein Wochenende im Papierberg vor Ihnen liegt? In diesem Blog geht es darum, den Mut zum „Selbst-ist-die Frau" anzustacheln, Neuigkeiten zu verbreiten und Lust auf trockene Themen zu verströmen.

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