Was Frauen müssen. Müssen sie?
Frauen müssen ... lese ich in diesen Tagen allerorten. Frauen müssen mehr fordern: Ein höheres Gehalt. Flexiblere Arbeitszeiten. Frauen müssen mehr netzwerken. Frauen müssen selbstbewusster werden. Frauen müssen ... puh! Vielleicht etwas zu viel Ratgeber-Literatur auf dem Schreibtisch?
Heute ist Internationaler Frauentag. Ich mache ein Frauenmagazin. Da muss ich schreiben. Ja!
Ich könnte natürlich auch behaupten: Bei uns stehen Frauen immer im Mittelpunkt, nicht nur am 8. März.
Trotzdem wollte ich wissen, was die anderen schreiben:
Heute wundere ich mich, dass ich sogar in meiner Lokalzeitung auf jeder Seite ein Kurzporträt einer starken Frau aus der Nachbarschaft finde. Früher war es nur die taz, die den 8. März mit einer ganzen Zeitung aus Frauenhand in Szene setzte. Dort finde ich heute ganz Erstaunliches. Die Artikel auf den Sonderseiten zum Internationalen Frauentag tragen Titel wie "Die Männer-Rechte", "Özdemier ist Feminist", "Das Rollenvorbild: Der coole Schwule".
Es müssen also nicht nur die Frauen schreiben, wenn an den Kampf um Frauenrechte erinnert wird.
Ergo: Es müssen auch nicht nur die Frauen fordern, wenn es um gleichen Lohn für gleiche Arbeit geht. Aber das ist vielleicht doch etwas viel verlangt? In der Süddeutschen Zeitung schreibt Kristina Läsker über die Langzeitstudie der Hamburger Professorin Sonja Bischoff "Wer führt in (die) Zukunft?". Ihr Ergebnis ist ambivalent: Zwar hat sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in den letzten 14 Jahren vervierfacht, "der Nachteil im Einkommen scheint zementiert zu sein". Sonja Bischoff schreibt: "die Einkommen der Männer sind in den letzten jahren explodiert, die der Frauen nur moderat gewachsen."
Grund genug, auch auf den Equal Pay Day hinzuweisen. Der bleibt aktuell: www.equalpayday.de
Überhaupt nicht aktuell findet hingegen Alice Schwarzer den Internationalen Frauentag. Ihr Plädoyer für eine Abschaffung der sozialistischen Tradition lesen Sie heute in der Frankfurter Rundschau.
Wo Sie anlässlich des Internationalen Frauentags hingehen können, das haben die Bloggerinnen der Mädchenmannschaft zusammengetragen.
Was in Berlin los ist, wissen die Kolleginnen von Aviva.
Ich gehe heute Abend übrigens zu einem Vortrag zweier Juristinnen zur Initiative "Frauen in die Aufsichtsräte" (in Münster um 19.00 Uhr, Domplatz 40).
Und am Mittwoch fahre ich nach Köln zum Empfang unseres Frauenministers. Das NRW-Ministerium lädt zur Tagung "Frauen in den Medien".




